larissa boehning

Nichts davon stimmt, aber alles ist wahr
Roman

Galiani, März 2014

       

Der Blog: Abschied von den Illusionen

 

 

 


 

 

 

 

 

 

Das Glück der Zikaden, Roman

Galiani Verlag, 2011

Larissa Boehnings geschichtensatter großer Roman über drei Frauen auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben. Moskau, Ende der 30er Jahre. Hitlers Landsleute sind in Moskau unerwünscht. Die Familie der überzeugten Kommunistin, aber deutschstämmigen Sängerin Nadja wird gezwungen, auszuwandern. Ausgerechnet ins verhasste Nazideutschland müssen sie, ihr Mann Anton und die zwei Kinder. An eine Bühnenkarriere ist in Berlin nicht zu denken. Ihr anpassungsfähiger Mann übernimmt die Ernährung der Familie, er erstellt für eine Zeitung Horoskope. Nie wird Nadja ihm seinen eilfertigen Verrat aller früheren Ideale verzeihen. Sie verschließt sich in sich selbst - bis sie mit einem ehemaligen Kollegen Antons zu korrespondieren beginnt, der nach Amerika ausgewandert ist. Als dieser ankündigt zurückzukommen, zieht Anton alle Register des Verrats, um seine Frau zu halten. Eine Generation später steht Nadjas grade erwachsene Tochter Senta am Grenzübergang Friedrichstraße und muss eine Entscheidung treffen: Der von ihr geliebte Gregor will in die DDR. Für immer. Er zieht die Revolution der Liebe vor, Senta (in Abgrenzung zu ihrer Mutter) die Vernunft - sie bleibt, obschon gerade schwanger, in Westberlin. Bald darauf heiratet sie Gregors besten Freund und täuscht ihn über die wahre Vaterschaft ihres ersten Kindes. Dreißig Jahre und einige Kinder später wird ihr ein Kassiber von Gregor zugespielt, der inzwischen im Gefängnis sitzt und auf Fluchthilfe hofft... Erst in der dritten Generation verheilen die Wunden, die die Vertreibung Nadjas aus Moskau schlug.

Pressestimmen:

Anne Haeming / spiegel online: "Dies ist endlich mal wieder eine familienumspannende Geschichte, die man hungrig zu Ende liest. Auch weil man dem doppelten Boden auf die Spur kommen möchte, der hinter der Geschichte immer wieder aufscheint. Das Ungesagte, es schimmert durch als ungelebte, ersehnte und verdrängte Leben. Boehning ist offenbar fasziniert von der Frage, was passiert, wenn Schweigen weitergegeben wird von einer Generation zur nächsten, und damit auch nicht zu Ende erzählte Geschichten. (...) Was Boehning so lesenwert macht: Sie ist eine filmische Erzählerin..."

Jan Ehlert / NDR: "Boehning mutet ihren Protagonistinnen dabei eine ganze Menge zu, ohne jedoch unrealistisch zu werden. Das größte Unglück spielt sich in den Köpfen ab... Dabei wertet Boehning nicht, sondern lässt ihre Leser selbst ihre Schlüsse ziehen: zum Beispiel dass Schweigen, besonders das Verschweigen, überlebensnotwendig sein kann. Zum Glück führt es jedoch fast nie."

 

Lichte Stoffe, Roman

2007, Eichborn Berlin

Nominiert für die Longlist zum Deutschen Buchpreis, Mara Cassens-Preis für den besten deutschsprachigen Debut-Roman

Silja Ukena, Brigitte: "Als Larissa Boehning 2003 mit einem Erzählungsband debütierte, fühlten sich viele an Judith Hermann erinnert. Im Zusammenhang mit ihrem ersten Roman kann vom zarten "Fräuleinwunder" allerdings keine Rede mehr sein. "Lichte Stoffe" ist ein Roman, der mehr wagt: "Warum trägt man ein Leben lang Geheimnisse mit sich herum? Und nimmt sie dann mit ins Grab."
Die Frage stellt sich Nele, als sie der Lebensgeschichte ihrer Großmutter folgt, der Hutmacherin Gudrun, die 1946 mit der damals denkbar größten Schande sitzengelassen wird. Die Schande heißt Evi und hat einen farbigen GI zum Vater. Bevor er für immer verschwand, hat er Gudrun angeblich ein Bild geschenkt, ein Gemälde von Degas, das heute Millionen wert sein müsste. Doch wie sollte ein einfacher Besatzungssoldat in den Besitz eines französischen Impressionisten gelangt sein?
Nele macht sich auf die Suche: nach dem Bild, nach dem Großvater und nach der
Wahrheit über ihre Familie. Daraus entsteht ein Roman, der sich über drei Generationen spannt, dessen Tonfall und dessen eindringliche Bilder noch lange nachwirken."

Julia Bähr / FAZ: "Das Straucheln der Hauptfiguren bei der Suche nach dem richtigen Weg begleitet Boehning mit einem sicheren Gespür für die Situationen, die den Menschen gewissermaßen bis auf den Wesenskern aufbrechen. Dabei versenkt sie sich aber nicht zu tief in einzelne Personen, sondern schaut nach rechts und links, immer im Bewusstsein der dauernden gegenseitigen Belauerung. Das Ergebnis ist ein bezaubernder Roman voller Menschlichkeit."


Schwalbensommer, Erzählungen

2003, Eichborn.Berlin


"Gibt es das wirklich, das Lebensgefühl einer Generation? Und gibt es tatsächlich Autoren, die genau das einfangen können? Wieviel Projektion, Schubladendenken oder Vermarktungsstrategie spielt in solche Überlegungen hinein, und was haben die an diese Stichworte anschließenden Diskussionen mit Literatur zu tun?
Tatsache ist: Nicht nur Judith Hermann, auch Larissa Boehning Jahrgang 1971, hat in ihrem ersten Buch "Schwalbensommer" zehn beeindruckende Erzählungen versammelt, die all diese Fragen erneut auf den Medienplan rufen werden. Jetztzeit-Geschichten über Geschichts-, Sprach- und Orientierungslosigkeit unterschiedlichster Menschen an unterschiedlichsten Orten; Geschichten über unwiederbringliche Verluste, Verletzungen und Verunsicherungen, Geschichten über Grenzen, Begrenzungen und (un-)mögliche Grenzüberschreitungen in gesellschaftspolitischen Umbruchsituationen. Mit anderen Worten, natürlich geht es in diesen Erzählungen, die "Katzendreck", "Verplombtes Meer" oder "Nordstern" heißen, um die Suche nach Glücksmomenten, nach Liebe, um lebenslange Freundschaften und den Tod. Alles dreht sich immer wieder um den Punkt, an dem sich Sehnsucht in Resignation zu verwandeln droht, um den schmalen Grat zwischen Euphorie und Existenzangst.
Entscheidend ist jedoch, dass Larissa Boehning virtuos über literarische Mittel verfügt, die dazu beitragen, dass die kleinen Katastrophen des alltäglichen Gefühlslebens auch für ihre Leser interessant sind und bleiben, da die unauflösbare Absurdität der fixierten Situation nie durch banale Erklärungsmuster sofort wieder aus dem Bewusstsein vertrieben wird. Die genau gesetzten Leerstellen dieser wunderbar rhythmisierten Prosa machen Lust auf mehr."

Dieter Stolz, in Sprache im technischen Zeitalter


Nikolaus von Festenberg / Spiegel: "Wer in diese Erzählungen taucht, kann seine eigene Wunder- und Storysüchtigkeit entdecken. (...) Die Autorin erweist sich als eine sprachlich sehr beherrschte Beobachterin der Oberfläche und leuchtet ihre Erzählungen so geschickt aus, dass die Abgründe besonders schwarz werden."

Alexander Kosenina / FAZ: "Solche Gegenwarts-Geschichten als belang- und geschichtslos abzutun bewiese nur Ahnungslosigkeit. Nicht das unaufhörliche Dozieren, Analysieren, Protestieren und "Ausdiskutieren" prägt diese Geschichten, sondern eine ganz andere, stille Rebellion von hoher Intensität. (...) Boehning beherrscht die verhaltene Kunst, manche Geschichte unausgeführt, manches Ende offenzulassen. (...) Und das in einem schlanken, federnden Stil, der sich durch Genauigkeit und eigenwillig schöne Bilder auszeichnet."

Oliver Seppelfricke / Deutschlandfunk: "Ein kleines Ereignis ist anzuzeigen! Der Erzählungsband der 1971 geborenen Larissa Boehning gehört zum Besten, was man seit langem von einer jungen Debütantin gelesen hat. Zehn Erzählungen, die "Melonenbauch" oder "Nordstern" heißen, "Katzendreck" oder "Verplombtes Meer", man merkt: Hier geht es um Genaues. Und genauso ist auch die Sprache: Sie sagt alles, schnell und genau, und doch bleibt das Entscheidende offen."

Regine Sylvester / Berliner Zeitung: "Larissa Boehning schreibt sehr gute erste Sätze. Das soll nicht heißen, danach käme nichts mehr. Aber diese Autorin, eine Debütantin von 32 Jahren, die außerdem als Grafikdesignerin arbeitet, setzt die zehn Geschichten ihres Buches "Schwalbensommer" mit einem kleinen, fernen Donnergrollen in Bewegung. "In der Nacht hatte es zweimal geknallt und ich war nicht wieder eingeschlafen." Oder: "Er schrieb einen Brief, in dem stand: Wenn du willst, komm nach Tucson, Arizona." Oder: "Hübner sagt: Sie hatte diese Narbe am Hals." Larissa Boehning legt eine Spur der Erwartung. Man merkt bald, dass die Spannung nicht aus der Dramatik der Handlung entsteht. Nichts wird zugespitzt, niemand gerät wirklich in Not, kein Mensch wird ein anderer. Und trotzdem wühlt und ruckt etwas in diesen Geschichten - so wie Unterdruck nervös macht. Aus dem Vakuum entsteht ein Sog. Das liegt an der unsentimentalen, aber nicht kühlen Sprache. Die Autorin macht sich nicht eins mit ihrem ratlosen Personal. Sie hat Instinkt für Situationen, Details, Stimmungen."

rtv - das Fernsehmagazin: "Vielleicht das überzeugendste der wenigen Debüts in diesem Herbst. Sprachlich schlicht aufregend, (...) virtuose Skizzen, punktgenau beobachtet und mit Tiefgang interpretiert."

Jan Küveler / Die literarische Welt: "Zehn Lektionen in schriftstellerischem Unterstatement."

New Books in German / autumn 2003: "This debut collection of short stories leaves you wanting more (...) Loss and lack of direction; transitoriness; fatalism - these are universal themes. This book's achievement is to have brought them sparklingly up-to-date."


Kerstin Schneider / Handelsblatt: "In der Geschichte "Zaungäste" werden die Schwalben zum Symbol für den Aufbruch. Sie ziehen fort. Aber sie werden wiederkommen im nächsten Sommer. Und mit ihnen hoffentlich weitere Geschichten dieser spannenden, literarischen Entdeckung."

Marin Majica / Berliner Zeitung: "In Boehnings Geschichten sind immer zwei Bilder zu sehen. Im Vordergrund das aktuelle, auf dem meistens wenig geschieht, dahinter etwas Vergangenes. Diese Vergangenheit ist verloren und bestimmt doch das Empfinden der Figuren."


Hellweger Anzeiger: "Als Chronistin von Sprach- und Orientierungslosigkeit; von als unwiederbringlich erkannten Verlusten; von Verletzungen, Verunsicherungen und Grenzübertritten (...) Boehnings Figuren rücken hin und wieder in die Nähe einer frühen Françoise Sagan. Dass es sich um ein literarisches Debüt handelt, mag man eigentlich nicht glauben angesichts eines gereift erscheinenden schreiberischen Könnens."

 

 

Warum ich schreibe? Um mich über Bord zu werfen, in jedem Text wieder. Viele zu sein, nicht nur "Ich" sagen zu müssen. Und das Alchemistische der Stoffentwicklung – um es mit Hemingway zu sagen: "Even if my marriage is falling apart and my children are unhappy, there is still a part of me that says, 'God, this is fascinating!'".

Meine Sehnsucht nach Geschichten ist zu groß. Eine zweite Welt neben der ersten. Eine, in der ich all das sein kann, was ich nicht bin.

Letzte Kritiken und Besprechungen zu "Nichts davon stimmt, aber alles ist wahr"

Buchkritik von Paul Jandl in Der literarischen Welt –

Milchprodukte des Zufalls

Wenn der Erbschleicher mit der Kettensäge kommt: Larissa Boehnings romaneske Dreierbeziehung lässt tief blicken >>

Sendung Bücher und Moor am 5.6.14 im RBB >>

SWR-Sendung "Lesenswert" mit Felicitas von Lovenberg im Gespräch >>

New books in German / US-Jury-Pick >>

 

Mai 2013
Lesereise in den Iran. Ein Reisebericht im Blog: jedewocheein.wordpress.com

3. bis 7. Juli 2013
Nominierung für den Ingeborg-Bachmann-Preis
Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt


Erzählung im ARD-Radiofestival:

"Spiele" von Larissa Boehning
hier zum Hören

 

 

 

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